Stillen, Schreien und Kolik

Viele Babys haben regelmäßig eine unruhige Phase, häufig am späten Nachmittag oder frühen Abend – ganz unabhängig davon, wie sie ernährt werden. Ob gestillt oder mit künstlicher Säuglingsnahrung gefüttert, haben viele Babys während der ersten Monate eine unruhige Phase.

Manche stillende Mütter sorgen sich darüber, dass das Schreien ihres Babys bedeutet, es habe Hunger und ihre Milch reiche nicht aus. Babys können auch aus anderen Gründen schreien und häufiges Stillen stellt sicher, dass die Milchmenge ausreicht.

Babys die viel getragen werden, neigen weniger zum Schreien.

In einer Studie (Hunziker 1986) über Mütter und ihr erstes Kind wurde herausgefunden, dass Babys, die über längere Zeit viel in den Armen der Mutter oder in einer Tragehilfe gehalten und getragen wurden – auch wenn sie zufrieden waren oder schliefen -, weniger schrieen. Je jünger das Baby war, umso deutlicher waren die Ergebnisse: Drei zusätzliche Stunden Tragen am Tag verringerten das Schreien eines vier Wochen alten Babys um 45 %.

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Manchmal wird den Müttern gesagt, sie sollten die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten weiter ausdehnen und nicht öfter als in bestimmten Abständen, zum Beispiel alle zwei oder drei Stunden, stillen. Viele Babys sind jedoch unglücklich, wenn sie in ein bestimmes Sillschema gepresst werden. Einem natürlicheren Fütterungsverhalten entspricht für die die meisten Babys (insbesondere für Neugeborene) das so genannte “Cluster-Stillen” oder “Clusterfeeding”. Dabei liegen die Stillmahlzeiten zu bestimmten Tageszeiten näher beieinander (typischerweise am Abend), und zu anderen Zeiten sind die Abstände zwischen den Mahlzeiten größer. Die Mutter soll den Bedürfnissen des Babys folgen und das Stillverhalten danach richten, wie ihr Baby am zufriedensten ist und es sowohl anlegen, um es zu beruhigen als auch, um seinen Hunger zu stillen. Es bietet keinerlei Vorteile, das Stillen hinauszuzögern, wenn das Baby durch das Stillen beruhigt werden kann.

Andere Beruhigungsmethoden

Babys schreien aus vielerei Gründen – Übermüdung, Überreizung, Einsamkeit und Unbehagen. Auch sind Babys vom Temperament her sehr unterschiedlich; einige reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen und äußere Reize, während andere anpassungsfähiger sind. Das eine Baby ist recht ruhig, das andere neigt zu häufigen Koliken. Scheint Stillen nicht zu helfen, gibt es folgende Beruhigungsmethoden, die versucht werden sollten:

  • aufstoßen lassen
  • Windeln wechseln
  • vollständiges Ausziehen, um zu sehen, ob es vielleicht durch ein Kleidungssstück gestört wird
  • zusammen mit dem Baby ein warmes Bad nehmen. Dabei hält die Mutter seinen Kopf und Po und wiegt es im Wasser, oder sie legt sich in der Wanne zurück und legt das Baby mit dem Bauch auf ihre Brust
  • massieren
  • ein Spaziergang mit dem Baby im Tragetuch oder einer weichen Tragehilfe
  • einwickeln in eine leichte Decke
  • wenn es überreizt ist, mit ihm in einen ruhigeren Raum gehen
  • im Schaukelstuhl mit ihm schaukeln
  • im Kolikgriff tragen (die Mutter legt das Baby mit dem Bauch nach unten über den Unterarm und unterstützt seine Brust mit der Hand)
  • die Mutter legt es über ihre Oberschenkel und reibt sanft seinen Rücken, während sie langsam mit den Schenkeln wippt
  • die Mutter legt das Baby mit dem Bauch nach unten auf das Bett und klopft seinen Rücken.

Dr. med. William Sears schreibt in seinem Buch “Das 24-Stunden-Baby”:

Wenn Sie sich fragen, ob Sie ein Kolikbaby haben oder nicht, dann haben Sie wahrscheinlich keines. Ein Kolikbaby zeigt nämlich seinen Eltern eindeutig, dass es wirklich leidet.

Über Jahre hinweg hat man versucht zu definieren, was eine Kolik ist. Heute stimmt man weitgehend darin überein, dass ein Baby mit Kolik an einem intensiven körperlichen Unwohlsein leidet. Allerdings gibt es viele Theorien, was dieses Unwohlsein verursacht.

Der ganze Körper eines unter Koliken leidenden Babys ist angespannt. Üblicherweise zieht es seine Beine an den Bauch an, ballt seine Fäuste und hat ein schmerzverzerrtes Gesicht, während es mit schriller Stimme schreit. Koliken kommen häufig am späten Nachmittag oder Abend vor und können stundenlang andauern. Während sie schreien, neigen diese Babys dazu, Luft zu schlucken, was ihren Zustand noch verschlimmern kann. Hat die Mutter ein Baby, das sich durch nichts beruhigen lässt, hat sie wohl ein Baby, dass “Dampf ablassen muss” und eine Zeit weiter schreit, bevor es beruhigt werden kann. Indem die Mutter das Baby hält, fühlt es, dass sich jemand um es kümmert, bis es irgendwann dieses empfindliche Stadium überwunden hat.

Manchmal kann eine chiropraktische Anwendung helfen

Untersuchungen aus Dänemark, wo Chiropraxis seit 100 Jahren zur Behandlung von Säuglingskoliken angewendet wird, geben Hinweise darauf, dass chiropraktische Anwendungen bei manchen Babys dazu beitragen, Koliken zu erleichtern oder ganz zum Verschwinden zu bringen. Eine Stude an 316 Babys, die unter Koliken litten, ergab, dass innerhalb von 14 Tagen und nach drei chiropraktischen Anwendungen 94 % der Mütter von einer Besserung oder dem vollständigen Verschwinden der Koliken berichteten. Die Wissenschaftler nehmen an, dass zwischen 20 % und 40 % aller dänischen Kolikbabys chiropraktisch behandelt wurden. (Klougart 1989)

Um in der Lage zu sein, sich liebevoll um ihr Baby zu kümmern, braucht die Mutter Unterstützung von den Menschen in ihrer Umgebung. Mutter und Vater des Babys müssen zusammen Prioritäten setzen und eine realistische Vorstellung davon haben, wie viel Zeit und Energie sie für andere Dinge aufwenden wollen, während sie sich um ihr unruhiges Baby kümmern. Die Mutter muss auch einen Weg finden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Dies lässt sich am einfachsten verwirklichen, wenn sie Menschen hat, die sie unterstützen und denen sie vertrauen kann.

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Gianna

Journalistin und Mama von 3 Kindern - glücklich vergeben. Ich "denke anders" und stelle auch mal etwas in Frage. Ich verbringe ein Leben voller Wunder!!

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